[Verfasst von seinem Frauchen]
Rasse: Eurasier
Im Alter von 3-6 Monaten durfte Balto, aus gesundheitlichen Gründen, keinen Hundekontakt haben. Nach dieser Zeit war er extrem unsicheren mit anderen Hunden und als Ersthundebesitzer war ich
ebenso unsicher und zudem naiv weil ich dachte, ich geh einfach mit ihm in die Hundeschule, dann wird das schon. Das sind ja Profis, die wissen was sie tun.
Als erste Station, eine Hundeschule aus der Umgebung, 10 Wochen Basiskurs (1h pro Woche) in der Gruppe. Balto war sehr aufgeregt wegen der anderen Hunde aber die Trainerin versicherte mir, in ein
paar Stunden legt sich das von allein, ich soll einfach weiter mit ihm kommen. Am Ende der 10 Wochen war er garnicht mehr zu beruhigen bei Sichtung eines Hundes. Hinzu kam, dass dort alles mit
Leckerli gemacht wurde aber da er ja permanent aufgeregt war hat er Leckerlis am Ende mit Aufregung verknüpft. Es hat danach über 1 Jahr gedauert, bis er ein Leckerli wieder als Belohnung angesehen
hat.
Um an Baltos extremer Aufregung mit anderen Hunden arbeiten zu können, ließ ich eine Trainerin für Einzelstunden kommen, ebenfalls aus der Hundeschule. Seine Aufregung war inzwischen so schlimm,
dass er direkt Durchfall bekam, wenn er nur auf Entfernung einen anderen Hund sah. Zuerst wurden einzelne souveräne Hunde geholt. Da Balto so extrem aufgeregt war, kommunizierten die aber auch nur,
dass sie Distanz wollen. Meine Aufgabe war es, Balto in dem Moment an der Leine vom Hund wegzuholen damit er lernt, die Signale des Hundes zu akzeptieren. Letztendlich hat er aber durchgehend
frustriert in der Leine gehangen, weil er laufend zu dem anderen Hund wollte und nicht durfte. Dabei fing er an, aus Frust andere Hunde anzubellen.
Als nächstes habe ich mich an eine Hundeschule mit einem Trainer gewandt. Nach einem Einzeltraining ohne Hund wurden mir Social Walks empfohlen. Also hab ich an einem SW teilgenommen. 2 h durch
Wald und Wiese, alle Hunde angeleint, zwischendurch ab und an mal kleine Übungen (sitz, Fuß). Balto war so extrem aufgeregt, dass er durchgehend gejault, gebellt und gezogen hat. Bei den Übungen
mussten wir die Gruppe verlassen, weil er vor Aufregung nicht mal mehr ein Sitz konnte. Am Ende waren wir auf einer Lichtung und ein Trainer wollte kontrollierten Freilauf ermöglichen. E wählte Balto
(1 Jahr damals) und einen anderen, gleichaltrigen Rüden aus. Ich sagte vorher, dass ich dabei kein gutes Gefühl habe, weil Balto ja so aufgeregt ist und der andere ähnlich angespannt war und sich
gegenseitig fixierten. Ich dachte mir aber, das ist doch eine Hundeschule, die sind Profis und wissen, was zu tun ist. Also lies ich mich überzeugen und keine 30 Sekunden später hatte Balto den
ersten (und zum Glück bisher einzigen) Kampf mit einem anderen Hund. Die Hunde konnten, ohne ernsthafte Verletzungen, getrennt werden aber seitdem war Balto nicht mehr nur aufgeregt sondern fing
plötzlich an , aggressiv in die Richtung anderer Hunde vorzupreschen.
Als nächstes kamen wir zu einem Trainer, der mit aversiven und, wie ich im nachhinein herausgefunden habe, tierschutzrelevanten Methoden arbeitet. Mir wurde eingebläut, mein Hund liebt mich nicht,
er ist nur ein (Raub) Tier und dementsprechend muss ich mit ihm umgehen. Ich bekam eine Schepperdose und eine Anleitung, wie ich einen richtigen Leinenruck mache. Der Trainer hat es mir direkt an
Balto demonstriert. Balto war am Ende so eingeschüchtert, dass er sogar einen anderen Hund im selben Raum ignorierte. Das Gefühl dabei war nicht gut aber es war beeindruckend zu sehen, wie das
Problem plötzlich „verschwunden“ war.
Also versuchte ich es zuhause genauso. Am Anfang hat es funktioniert, rückblickend betrachtet weil mein Hund Angst vor mir hatte. Aber dann nach 2 Tagen kamen wir an einen Punkt wo er nach einem
Leinenruck mir gegenüber plötzlich Zähne zeigte. Das war der Moment in dem mir klar wurde, dass das der völlig falsche Weg war und ich meine komplette Beziehung zu Balto zerstöre.
Dann war ich noch eine Weile bei 2 Trainern die mit Clicker und Leckerli arbeiten, bei denen wir aber einfach keine Fortschritte machten. Ich ließ dann über 1,5 Jahre keinen Kontakt mehr zu
fremden Hunden zu und hatte mich fast schon damit abgefunden, dass wir bei jedem Spaziergang allen Hunden großflächig ausweichen müssen.
Als ich auf der Suche nach einem Hobby war, bei dem Balto keinerlei Kontakt zu anderen Hunden haben muss, dachte ich an Mantrailing. Und so kam ich letztendlich zu Catrin über ihre Anzeige
„Mantrailing – auch geeignet für verhaltensoriginelle Hunde“
Nach der ersten Einheit haben wir uns lange über Balto, seinen Charakter und seine Probleme unterhalten. Eigentlich wollte ich nach den ganzen Fehlschlägen garnicht mehr an dem Thema arbeiten aber
das, was Catrin sagte, klang einfach so einleuchtend und logisch, dass ich es unbedingt auf „ihre Art“ probieren wollte. Der letzte Versuch, wenn man so will.
Also bin ich zu ihr ins Begegnungscoaching gegangen, ein bisschen hoffnungsvoll aber ohne viel zu erwarten. Und mit jeder Stunde fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich lernte nicht nur Baltos
Körpersprache zu lesen, sondern ich lernte ihn zu verstehen. Ich erkannte seine Motivation und somit rückblickend auch, was ich ihm mit den vergangenen Trainingsansätzen eigentlich alles angetan
hatte. Es war ein Wunder, dass er mir überhaupt noch vertraute, nachdem ich ihn so oft im Stich gelassen hatte.
Eigentlich wolle er die ganze Zeit nur Distanz zum anderen Hund. Durch seine Reaktivität nahm ich ihn aber immer sehr kurz und führte ihn gradewegs in die Situationen, in die er garnicht hinein
wollte. Seine Reaktion darauf war dann die „Flucht nach vorne“.
Im Coaching mit Catrin lernt Balto anderen Strategien. Seine erste eigens entwickelte Taktik war zu Buddeln und sich damit einfach wegzubeamen. In den Begegnungscoachings zeigte er das Verhalten
und nach 2-3 Treffen übernahm er das in unseren täglichen Spaziergängen. Damit hat er einerseits seine Aufregung kompensiert und andererseits nicht mehr den anderen Hunden gedroht. Dadurch wurden
unsere Hundebegegnungen insgesamt entspannter weil auch die anderen Hunde ihn größtenteils ignoriert haben anstatt zu reagieren. Irgendwann fing er an, sich von Catrins Coachdog Zoe abzuschauen, wie
man Bogen läuft und eine deeskalierende Körperhaltung einnimmt. Das Verhalten zeigte er nun immer öfter, nur wenn es zu nah wurde buddelte er anstatt dessen.
Aber je länger das letzte Coaching her war desto mehr verfiel er in alte Verhaltensmuster und ging wieder öfter in die Leine. Beim nächsten Coaching war es grade so, als ob die Anwesenheit von
Catrin und den Coachdogs Sam, Liza und Zoe daran erinnerte, dass er ja auch andere gute Ideen hat. Und mit jedem Coaching wurden die Zeit länger, in der er dieses Verhalten auch im Alltag zeigen
konnte. Und mit jeder positiv gemeisterten Hundebegegnung wurde auch ich immer entspannter und selbstsicherer, was sich ebenfalls positiv auf Balto auswirkte.
Zunächst konnte er es nur bei freundlichen, ebenfalls deeskalierenden Hunden. Im Coaching lernte mit der Zeit, auch freundliche Hibbelhunde auszuhalten. Und kurz darauf konnte er das Verhalten
auch zeigen bei Hunden, die ihn fixierten. Jetzt arbeiten wir noch daran, dass er es auch schafft ruhig zu bleiben, wenn ihn ein anderer Hund anbellt. Das hat er im Coaching zum ersten Mal geschafft
und ich bin zuversichtlich, dass wir auch das noch in unseren Alltag transferieren können. Und inzwischen buddelt er auch fast garnicht mehr. Er hat gemerkt, dass am Wegrand schnüffeln eigentlich
genauso effektiv ist und er sich nicht in einem Loch verstecken muss.
Bei Catrin lerne ich außerdem, wie ich Balto bestmöglichst unterstützen kann.
Früher sind wir allen Hunden ausgewichen, heute freue ich mich über jeden Hund als neue Trainingsgelegenheit. Unser gemeinsamer Alltag ist dadurch viel entspannter und positiver geworden und es
macht einfach nur noch Spaß, mit Balto zusammen unterwegs zu sein ?
[in der Originalversion sind die Hundeschulen / Trainer genannt]