Hilf mir es selbst zu tun - Maria Montessori
Hilf mir es selbst zu tun - Maria Montessori
"Hilf mir es selbst zu tun" Maria Montessori
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erfahrungsbericht Tamra und besitzerin Kristina

Tamra, Klappe die Zweite (November 2020)

ich bin´s wieder. Heute ist Tamra seit 6 Monaten und 2 Wochen bei uns, weshalb ich gerne wieder ein kleines Update zur Lage der Nation geben möchte.

Eigentlich schreibe ich gerade aus einer genervten Stimmung diesen Bericht, denn beim Abendspaziergang hat Tamra ihre Ohren wieder auf Durchzug gestellt und sich von allem und jeden ablenken lassen.

In solchen Momenten fällt es mir schwer ruhig und gelassen zu bleiben. Jetzt fragt ihr euch sicherlich, warum ich denn dann jetzt diesen Bericht schreibe. Ganz einfach, ihr Verhalten hat einen Grund und das möchte ich gerne erklären. Außerdem schreibt man in einer „Friede-Freude-Eierkuchen“-Stimmung meistens nur die positiven Dinge (die zwar schön, aber vielleicht nicht immer sehr hilfreich sind). Aber fangen wir mal von vorne an:

Heute Morgen beim Sonntagsspaziergang hatten wir 2 Hundebegegnungen innerhalb von 5 Minuten mit zwei nicht angeleinten Hunden, die GAR NICHT auf ihre Besitzer gehört und sich zurück rufen haben lassen. Das war echt der Supergau für Tamra, die bekanntlich sehr ängstlich bei anderen Hunden ist und sofort die Flucht ergreift. Ich hatte ordentlich zu tun, meinen ebenfalls freilaufenden Hund, von vorne und hinten vor den anderen Hunden zu schützen. Ich habe zwei Mal die anderen Hunde geblockt/gestoppt, indem ich mich mittig in den Weg gestellt und laut STOP gerufen habe. Dazu habe ich noch meine Hand gerade vor mich ausgestreckt und den Hund direkt angeschaut. Das Ganze hat Wirkung gezeigt und so lange funktioniert, bis die Frau mit ihren Nordic-Walking Stöcken es endlich geschafft hat (nach mehrmaligem, ergebnislosen Rückruf und Benutzung der Hundepfeife) ihren Hund anzuleinen. Das passierte vor mir in Richtung Heimweg, fast gleichzeitig kam ein anderer Hund von hinten (dessen Frauchen ich ebenfalls schon vor 10 Minuten aus weiter Entfernung nach Ihrem Hund habe brüllen hören). Also das ganze Spiel fast noch einmal, bis auch sie ihren Hund angeleint hatte.

Das hatte Tamra so gestresst, das sie mich quasi nach Hause gezogen hat und wir in Rekordzeit wieder Daheim waren… Ich wusste, dass es viel für sie war und habe sie den ganzen Tag schlafen lassen. Das braucht sie nach solchen Begegnungen (und ich auch!).

Tja und eben vorhin beim Abendspaziergang, da waren noch ein paar Fußgänger mit Kindern unterwegs. Ich weiß, dass sie das auch stresst. Aber anstatt mit mir zügig vorweg zu gehen bleibt sie immer stehen und wartet quasi darauf, dass sich das Ereignis nähert. Und das nervt mich schon ziemlich. Denn eigentlich hätten wir schon längst weg sein können, wenn sie nicht immer anhalten, sich umdrehen und schauen würde. Und dabei denke ich mir, dass ich sie ja nur zügig aus der Situation rausnehmen will, sie sie aber eigentlich künstlich verlängert… Dann rennt sie noch hoch aufs Feld und lässt sich nicht mehr zurück rufen. Und beim Kommando „Zu mir“ kommt sie dann endlich, ich hatte es ja nur ungefähr 10 Mal rufen müssen.

Aber genau das ist der Moment, wo es dann auf mich ankommt und ich an mir arbeiten muss. Ich hatte schon befürchtet, dass sie abends wieder „schlecht hören“ würde. Und obwohl ich die Alternative kenne (an der Leine lassen), habe ich mich für ihren Freilauf entschieden. Und das obwohl ich eigentlich schon vorher wusste, dass es wieder anstrengend für mich (und sie) wird. Also ist meine Ungeduld/genervt sein ihr gegenüber gar nicht fair, aber dennoch passiert es halt. Wir sind ja auch nur Menschen.

Aber warum erzähle ich von genau dieser Situation. Zum einen möchte ich verdeutlichen, dass es wirklich wichtig ist, seinem Hund nur so viel Freiraum zu gewähren, wie man ihn noch beeinflussen kann. Und zum anderen möchte ich sagen, dass Dinge, wie bspw. der Rückruf (der i.d.R. zu 98% bei Tamra funktioniert!) manchmal einfach nicht klappen, wenn der Hund „unter Strom“ steht. Das sollte man verstehen.

Ich möchte noch kurz zur Ursprungssituation hinzufügen, dass es sich bei den beiden Hunden um einen Golden Retriever und einen Labrador gehandelt hat, die „nur spielen“ wollten. Grundsätzlich ist die Rasse egal und auch wenn man weiß, dass gerade diese beiden Hunderassen meistens sehr freundlich und aufgeschlossen sind, dennoch geht es einfach nicht, dass sie zu jedem anderen Hund hinrennen.

Ich stürme ja auch nicht einfach auf eine fremde Person zu, springe sie an, umarme sie und frage, ob sie mit mir Fußball spielen will, oder?!

Und genau, wie jeder Mensch respektvoll von seinen Mitmenschen behandelt werden will, so erwarte ich, dass auch mein Hund das Recht hat, sich aussuchen zu dürfen, mit welchem anderen Hund er in Interaktion treten möchte oder auch nicht.

Es macht eben immer auch etwas mit dem Gegenüber und es könnte ja auch sein, das mein Hund krank ist und er für andere ansteckend ist. Wie sollte ich da einen Kontakt vermeiden, wenn der andere Hund distanzlos auf uns zustürmt?

Aber gut, ich denk es ist klar geworden, worum es mir geht und deshalb erzähle ich gerne noch ein paar Highlights aus den letzten paar Wochen.

Denn ab und zu scheint der Knoten bei Tamra geplatzt zu sein. Vor ca. 2 Wochen haben wir uns mit Catrin und ihrer Hündin Liza zu einem „2Dogs Begegnungstraining“ getroffen. Denn wir hatten schon bei einem vorherigen Spaziergang gemerkt, dass Tamra die Liza echt cool findet. Und so sehen wir nach 20-30 Minuten zwei völlig entspannte Hunde über die Wiese laufen, ein bisschen „Mäuseln“ (nach Mäusen suchen) und uns zum Spielen auffordern! Ja, richtig gehört, Tamra hatte Körperkontakt mit Liza und hat sogar Catrin zum Spielen aufgefordert.

Das sind dann die Momente, wo man vor lauter Stolz Pippi in den Augen hat. Und ich bin nicht stolz, weil wir sie so gut „trainiert“ haben oder das unsere „Methode“ klappt, sondern das sie einfach ein „ganz normaler“ Hund sein kann und mit Mensch und Hund richtig kommuniziert. Sie war einfach sie selbst und hat gezeigt, dass sie das Leben genießt. Da wirklich super schön!

Aber auch hier sieht man deutlich, dass es Zeit braucht. Es hat ganze 6 Monate gedauert, bis sie von Catrin Leckerlies angenommen hat und mit einem anderen Hund „normal“ umgegangen ist.

Und so ist es mit vielen Dingen. Ich habe gemerkt, dass auch wenn Dinge nicht jetzt funktionieren, dann funktionieren sie vielleicht in ein paar Wochen. Ich habe diese Erfahrung mit so vielen kleinen, eigentlich unbedeutenden Themen gemacht. Sei es das super teure Hundekörbchen, was Tamra in den ersten 5 Monaten nicht mal angeschaut hat, sie aber jetzt jeden Abend drin liegt. Oder auch Kommando Training, bei dem sie im Fokus ist und ich etwas von ihr möchte. Vor 3 Wochen war das noch nicht möglich, jetzt schon.

Dennoch sei gesagt, dass es ein anstrengender Weg bis hierhin war und auch ich zeitweise müde vom vielen „trainieren“ war. Denn Tamra lernt durch jeden Augenblick, jede Situation und jeden Kontakt. Und das eben rund um die Uhr. Es ist auch viel Arbeit im Haus, das Vertrauen aufzubauen und Bindung her zu stellen. Deshalb kuscheln wir fast jeden Abend eine halbe Stunde bis Stunde. Also wirklich Körperkontakt, kraulen und spielen. Diese „Quality“ Zeit braucht sie, aber auch ich und wir genießen es beide.

Man sieht also, es lohnt sich am Ball zu bleiben. In diesem Sinne, viel Motivation und bis zum nächsten Bericht.

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Tamra eine Mischlingshündin aus dem Tierschutz (Scooby-Doo, Pluto und Lassie in einem - August 2020)

 

Tja, wo fange ich an?

Vielleicht erst einmal damit, dass unsere Hündin Tamra, 2 ½ Jahre alt ist, ursprünglich aus Rumänien kommt und bereits 10 Monate Pflegestelle in Deutschland hinter sich hatte, bevor sie zu uns kam.

Wir (mein Mann und ich) hatten vorher noch keinen eigenen Hund. Ich bin allerdings mit Hunden aufgewachsen, weil meine Eltern immer welche hatten.

Somit war klar, dass auch bei uns irgendwann einer einziehen sollte und dank Corona klappte es endlich dieses Jahr. Und es war auch klar, dass es ein Hund aus dem Tierheim/Tierschutz sein sollte, der schon aus „dem Gröbsten“ raus ist (also ab ca. 2 Jahren).

Das „solche“ Hunde vielleicht ein paar Baustellen mehr haben könnten war uns grundsätzlich auch bewusst, aber ich habe bei meinen Eltern gesehen, dass auch ein Welpe keine Garantie ist, dass man einen perfekten Hund daheim hat. Außerdem habe ich ja schon Erfahrung durch meine Hunde gehabt und vor 20 Jahren gelernt, wer der Rudelführer (*hust*) ist.

Also auf „los ging´s los“ und wir haben das Internet nach einem Hund durchforstet, der zu uns passen könnte. Dabei haben wir unsere Tamra entdeckt. In ihrer Beschreibung stand drinnen, dass sie erst einmal vertrauen fassen muss und ihr „manche Dinge noch ein bisschen unheimlich“ sind. Mit Hunden und Katzen verstehe sie sich sehr gut und dass sie sehr neugierig sei, was gut wäre, da sie dadurch schnell lernt.

Soweit so gut, hörte sich jetzt für uns erst einmal nicht besonders abschreckend an und uns war auch klar, dass ein Tierschutzhund Zeit und Geduld braucht.

 

Eines Sonntags nachmittags haben wir sie dann in ihrer Pflegestelle besichtigt, wo sie mit 7 weiteren Hunden seit 6 Wochen lebte. Davor war sie 9 Monate in einer anderen Pflegestelle (in Deutschland!), die sich anscheinend gar nicht um sie gekümmert haben.

Wir haben uns sofort in sie verliebt und auch die Pflegestellt war ganz verblüfft, wie zutraulich (für ihre Verhältnisse) sie uns gegenüber schon war. 3 Tage später ist sie dann bei uns eingezogen.

Da Start fing damit an, dass wir sie erst einmal aus dem Autokofferraum haben rausschneiden müssen (also die Leinen anschneiden). Weil sie sich mit ihren Leinen und dem Geschirr total verstrickt hatte. Und dann durfte auch der Maulkorb ab. (Da hatten wir große Augen gemacht, wieso hatte sie einen Maulkorb auf?)…

Ok, dass sie „noch nicht so gut“ Auto fahren kann hatte man uns gesagt, aber das uns ein Hund erwartet, der anscheinend Todesangst im Auto hat, war dann doch schon eine Überraschung für uns.

Naja, dachte ich mir, ich habe ja massig Bücher gelesen, wie man Hunden Schritt-für-Schritt Dinge beibringt. Das wird dann bestimmt schnell gehen, dachten wir uns.

Die ersten Wochen waren dann wirklich sehr herausfordernd und ich habe Catrin bestimmt 3-5 Mal (gefühlt 1x pro Woche) geschrieben, dass ich glaube, dass das nichts mit Tamra wird und es ihr bestimmt woanders besser geht.

Alles was wir ihr „Gutes tun“ wollten, ging daneben und hat sie gefühlt noch mehr verunsichert.

 

Gleich am 2. Tag wollte sie schon nicht mehr in den Hauseingang rein, weshalb ich dann panisch bei einer Hundeschule angerufen habe, die mir sagten, Augen zu und durch. Nicht diskutieren und probieren, sondern „machen!“. Den Hund nehmen und zügig ins Haus rein. Und siehe da, es hat wunderbar funktioniert!

Das wir eine Hundeschule besuchen wollten, war für uns von Anfang an klar, aber dass wir gleich am 2. Tag schon Hilfe benötigten… okay.

Tags drauf habe ich wieder mit der Hundeschule telefoniert und wollte die möglichen weiteren Trainings/Kurse/Einzelstunden etc. abstimmen. Bei der Information, dass ich halt zur Hundeschule kommen müsste (ca. 10 Minuten Autofahrt von uns), obwohl ich erklärt hatte, dass sie noch kein Auto fahren konnte, war ich schon verwundert. Ich wies noch einmal daraufhin, dass ich nicht glaube, dass es sinnvoll ist, einen Hund „einfach ins Auto zu packen“ und dann mit ihm zu einem Training zu fahren. „Das müsse man so machen und der Hund muss das ja lernen“, war die Antwort, die ich bekam.

Das hat mir gezeigt, dass diese Hundeschule dann wohl nichts für uns ist, denn hier habe ich mich mit unserem Problem gar nicht verstanden gefühlt.

Zum Glück wurde uns dann von einer Nachbarin Catrin empfohlen (#Glücksgriff, #demHimmelseiDank).

Und was ich bei Catrin gleich beim ersten Telefonat, dem Anamnese Gespräch und dem ersten Treffen alles gelernt habe, hätte ich mir mühsam in den nächsten Jahren aus zig Büchern rauslesen müssen.

Was nicht heißen soll, dass ich bis dahin nicht schon einige Bücher gelesen hatte, die mich teilweise sehr bestärkt und partiell sehr verunsichert haben!

Catrin hat uns dann geholfen das Erlesene und das „hören-sagen“ in den richtigen Kontext zu bringen. Was uns dann deutlich mehr Sicherheit und Gelassenheit gegeben hat.

Um, nicht alle Themen im Detail zu beschreiben (das haben die anderen Kunden, bereits getan ?) seien an dieser Stelle nur kurz die Stichwörter Cortisol, Schlaf, 4F´s und Zeit & Geduld genannt.

Aber hier sind wir m.E. nach auch schon bei dem wichtigsten Faktor angekommen, nämlich „Zeit & Geduld“.

Wie schon mehrfach erwähnt, war uns klar, dass wir dem Hund Zeit geben müssen sich bei uns einzuleben und das Dinge eben nicht gleich auf Anhieb bzw. nach 2 Wochen klappen.

Dennoch waren wir nicht darauf gefasst, dass bestimmte Situationen, die gut funktionierten auf einmal nicht funktionierten und dass die Jacke und die Palme, die von Tag 1 nicht verändert wurden nach 2 ½ Monaten Tamra vor Schreck an das andere Ende des Zimmers laufen ließen.

Denn entgegen der Beschreibung ist (war ?) sie super schüchtern und unsicher. Gott sei dank nicht panisch/ängstlich, aber dennoch sehr vorsichtig. Sie wählt(e) eigentlich immer F-lucht.

Das einzige was nie ein Problem war, ist das sie immer mit uns raus gegangen ist und ihr Geschäft draußen verrichtet hat. Das hat von Anfang an funktioniert. Aber das war auch schon alles! Alles andere war ein „Kampf“ und dass man mit dem „ich bin das Alphatier“ Gehabe nicht zu ihr durchdringt, habe ich bereits nach einem halben Tag gemerkt. > Und dann auch abgestellt/nicht mehr ‚ausprobiert‘.

Das rein und raus ins Haus, sei es durch den Haupteingang, die Nebentüre oder die Garage war echt mühsames Training. Das was für uns so selbstverständlich und ohne angsteinflößende Faktoren ist, war für Tamra richtige Überwindung. Und das natürlich mehrmals am Tag. Den Nebeneingang haben wir über 3-4 Wochen trainiert.

Das der Staubsauger keine Gefahr bedeutet wird bis heute fleißig geübt. Von anfänglich panisch auf das Sofa hetzen und/oder möglichst schnell ans andere Ende des Hauses sind wir mittlerweile bei „okay, ich verlasse mal den Raum/die Etage und lege mich woanders hin“.

Auch der Spaziergang draußen an der Straße hat ewig gedauert (siehe 1. Bericht von Tamra).

Zwischenzeitlich waren wir echt am Verzweifeln und meine Frustration bis weilen so hoch, dass ich sie wirklich wieder abgeben wollte (woran mich mein Mann und Catrin aber zum Glück gehindert haben).

Nächste Woche ist Tamra seit (gerade einmal!) 4 Monaten bei uns und viele (für uns Menschen!) „alltägliche“ Dinge klappen schon wirklich gut.

Und ich hätte auch ehrlich gesagt nicht daran geglaubt, dass sich manche Dinge wirklich von alleine lösen, wenn man dem Hund Zeit, Ruhe und Geduld gibt.

Wir haben Tamra einen so gut wie gleichen Tagesablauf mit viel Struktur gegeben, damit sie weiß, was passiert. Und das hat ihr sehr geholfen.

Wir haben das Autotraining lange zurückgestellt, weil es eben viele kleine Dinge gab, die wichtiger für sie waren und wir mussten lernen, dass sie jeden Tag über sich hinauswächst und mit sich hadert und Dinge lösen muss. Und ein Lernprozess braucht eben Zeit. Wir konnten ja auch nicht innerhalb von 2 Wochen lesen. ?

 

Video Tamra Autoeinstieg: https://www.youtube.com/watch?v=YiV6Ohgf-hU

 

Dann ist es aber umso schöner die Erfolge zu sehen. Seit ca. 2 Wochen darf Sie ohne Leine laufen und ich hätte nie gedacht, dass sie quasi „auf´s Wort“ hört. Wir haben eine so gute Bindung aufgebaut, das sie einfach versteht, was ich von ihr will und erwarte. Und wenn sie hört, dann bekommt sie ihre Freiheiten und das ganze ist ein Geben-und-Nehmen. Und manchmal scheint es so, dass sie das tatsächlich auch so sieht bzw. versteht.

Auch wenn es bis dahin ein langer Weg war (und noch ein weiter sein wird) bin ich froh, dass wir durchgehalten haben. Auch wenn ich manchmal heulend im Wald stand, weil so gar nichts mehr ging oder sie mich beim Hochheben vor Angst angepinkelt hat.

All unsere Erfolge und den heutigen Status Quo haben wir tatsächlich ohne Druck, ohne Schmerz, ohne Alphatier und ohne Strafen geschafft. Und darauf bin ich mehr als stolz, denn auch ich hatte viele ‚alternative‘ Hundetrainingsmethoden gelernt (aber bei Tamra nicht angewendet!). Aber erst Catrin und ihre Vergleiche mit uns Menschen haben mir die Verhaltens-Logik verdeutlicht.

 

Bspw. ich persönlich referiere überhaupt nicht gerne vor 100 Leuten in Englisch, die ich nicht kenne. Dann geht mein Puls hoch, mein Mund wird trocken, meine Knie zittern und mir ist schlecht.

Und so fühlt sich mein Hund auch, wenn er in einer Situation ist, die ihm Angst macht. Denn auch ich kann dann kein Stück Pizza essen oder noch eine Matheaufgabe lösen, wenn ich kurz vor einem Kreislaufkollaps stehe. Wie kann ich also von meinem Hund erwarten, dass er dann 1A hört? Vor allem, wenn man noch nicht die Vertrauensbasis geschaffen hat, die dazu nötig ist.

Was ich sagen möchte ist, dass man sich in seinen Hund hinein versetzten muss und sich mal überlegen sollte, wie man sich selber in gewissen Situation fühlt. Der eine kann den Aussichtsturm in 35 Metern Höhe mal eben hochlaufen, der andere klappt schon zusammen, wenn er nur daran denkt… Was aber nicht heißt, dass ich nicht trotzdem oft genervt von Tamra war, wenn sie nicht einfach an dem anderen Hund vorbei gegangen ist, der sich gar nicht für sie interessiert hat. Denn wie sich heraus gestellt hat, hat sie Angst vor anderen Hunden und braucht viel Distanz.

Als letzten Punkt (und dann bin ich auch *vorläufig* fertig mit meinem Bericht :D) möchte ich noch erwähnen, dass das Kommando-Training bei Tamra auch nicht funktionierte bzw. sie eben kein Hund ist, der für Leckerchen alles macht.

Wir trainieren über das sogenannte „Benennen“ von gewünschtem Verhalten. Sprich, immer wenn sie sich hingesetzt hat, habe ich „Sitz“ gesagt und ihr ein Leckerchen gegeben (sofern sie es denn wollte). Ansonsten reicht ihr auch ein überschwängliches „prima, super, fein gemacht“. ?

 

 

-> Und ich muss sagen, dass ich auch nicht gedacht hätte, dass das jemals funktioniert! Aber es geht. So, soviel zu Tamra und unser Training mit Catrin und dem Coaching an uns. Denn Tamra ist ein Spiegelbild unseres Verhaltens. Wenn wir ruhig und entspannt sind, dann ist sie es auch.

PS: Sie springt mittlerweile von alleine ins Auto (nach dem 2. Mal Training!) und fährt ohne Leinenwirwar mit! ? Heißt: Am Ball bleiben lohnt sich, auch wenn man zwischendurch das Gefühl hat, es geht nichts mehr.

 

 

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© Glückliche Hundepfoten by Catrin Hendl